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Angeblich gilt - je totalitärer ein Staat ist, desto mehr mischt sich der Saat in alle Lebensbereiche seiner Bürger ein. In unserem, angeblich seit einem Vierteljahrhundert freiem Land ist daher für den Umbau des eigenen Hauses für das eigene Geld eine entsprechende Genehmigung notwendig. In einem gewissen Grad ist das verständlich, denn der statistische Herr Müller muss keine Ahnung darüber haben, welche Wände Trennwände sind und welche nicht, und das Sammeln von Erfahrungen in diesem Bereich ist mit schwerwiegenden Baukatastrophen verbunden. Nichtsdestotrotz ist es schwer dem Eindruck zu erwehren, dass es hierbei einen Auswuchs der Form über den Inhalt gibt. Aber unabhängig davon, was wir denken sollten, das Recht ist nun mal Recht und muss daher befolgt werden. Der Ausbau eines Hauses ohne entsprechenden Genehmigungen wird als eigenmächtige bauliche Veränderung angesehen und diese ziehen eine Reihe Unannehmlichkeiten hinter sich her. Welche Genehmigungen und Dokumente sind daher notwendig, um sein Haus legal auszubauen?

 

Zuerst muss geprüft werden, ob es für den Ausbau genügend Platz gibt. Bei dem Ausbau eines bereits stehendes Haus in Richtung der Grundstücksgrenze mit dem Nachbarn müssen die genauen Gesetze beachtet werden, die den einzuhaltenden Abstand zwischen Gebäuden betreffen. Gemäß dieser muss der Abstand zwischen der Gebäudewand zur Grenze zum benachbarten Baugrundstück nicht weniger als 3 m betragen, falls es sich um eine Wand ohne Fenster handelt. Falls wir ein Fenster auf dieser Wand planen, wächst der Minimalabstand auf 4 m an. Dieser Abstand (4 m) muss eingehalten werden, selbst wenn es sich um ein Dachfenster handeln sollte.

Auch alle Arten von Balkons, Eingangsüberdachungen, Terrassen und Treppen dürfen nicht näher an dieser Grenze liegen, als in einem Abstand von 1,5 m. Von dieser Regel gibt es jedoch bestimmte Ausnahmen, über die wir hier nicht sprechen werden. Tatsache ist, dass wir uns nur dann keine sorgen um den Abstand zum Nachbarsgrundstück machen müssen, wenn wir ein wirklich großes Grundstück haben. Im entgegengesetzten Fall müssen wir eine Abweichung von diesen Regeln beantragen, die uns der Landrat der Gemeinde erteilen kann. Dieser muss wiederum nach der Meinung des Ministers für Bau fragen und dessen eventuelle Erteilung der Ermächtigung zur Erteilung der Genehmigung für die Abweichung von den bautechnischen Vorschriften (auf Grundlage von Art. 9 des Baugesetzes) erbitten. Wie zu erwarten, ist es nicht leicht, eine solche Genehmigung zu erhalten und in der Praxis wird diese nur in außergewöhnlichen, begründeten Fällen erteilt.

 

Aber damit hätten wir das Ende noch nicht erreicht. Falls wir das Glück haben und unser Grundstück in einer Gemeinde liegt, die einen beschlossenen örtlichen Raumordnunungsplan hat, können wir dessen Teilkarte und Auszug beantragen. Falls nicht, müssen wir im Gemeindeamt einen Antrag auf Erteilung der Raumordnungsvorgaben beantragen, an den wir eine Beschreibung des geplanten Ausbaus anhängen müssen sowie 2 Kopien der Karte mit der Kennzeichnung des Ausbauortes und dann... müssen wir warten. Nicht selten sogar sehr lange – in Krakau dauert es durchschnittlich 2 Jahre (sofern alles glatt läuft).

 

Wenn endlich alle entscheidenden Organe festgestellt haben, dass unser Ausbau den geltenden Vorschriften entspricht, müssen wir ein Projekt für den Ausbau bei einem Architekten bestellen, wobei natürlich alle Vorgaben zur Geländebaubauung von diesem berücksichtigt werden müssen. Wenn das Projekt fertig ist, muss im Landratsamt eine Genehmigung für den Ausbau des Hauses beantragt werden. Diesem Antrag müssen 4 Kopien des Bauprojekts angelegt werden, sowie eine Bescheinigung über Zugehörigkeit unseres Architekten zu der entsprechenden Berufskammer, und eine Erklärung darüber, dass wir über das Recht zur Verfügung über das Grundstück zu baulichen Zwecken verfügen, und, falls es keinen örtlichen Raumbewirtschaftungsplan gibt, die uns erteilte Entscheidung über die Bauvorgaben. Stimmt doch - alles ein Kinderspiel?