Hauptseite > Hause Renovierung > Was tun, wenn die ungewollte Wand eine Tragwand ist?

Sie müssen lernen, sie zu lieben :) Auch wenn es mitunter viel Aufopferung fordert - genau wie die Versetzung dieser misslichen Wand, selbst um nur einen Meter. Es ist eine Tatsache, dass im Altbau (das betrifft sowohl Wohnungen in Altbauten als auch Einfamilienhäuser) Wände oftmals sehr misslich positioniert sind. Man kann sich kaum wundern, da diese Gebäude in Zeiten erstanden sind, als das Wort „Privatsphäre“ sowohl exotisch als auch gutbürgerlich klang. Früher war es selbstverständlich, dass mehrere Generationen unter einem Dach gelebt haben, und keiner hat von dem Luxus geträumt, den ein eigenes Zimmer darstellt, noch dazu ein Zimmer ohne Durchgang. Als Folge davon stehen heute noch (von Außen) wunderschön aussehende Häuser, die trotz imponierender Wohnfläche gänzlich unfunktionell sind, da die Zimmer gleich groß sind und jedes davon ein Durchgangzimmer ist.

Falls wir ein solches Haus mit der Absicht kaufen wollen, eine Wand zu verschieben, um beispielsweise ein größeres Wohnzimmer und kleinere Schlafzimmer ohne Durchgang zu erhalten, sollten wir genau prüfen, ob die Wand, die für die Durchführung unseres schlauen Planes maßgeblich ist, nicht zufällig eine Tragwand ist. Natürlich kann man Tragwände auch verschieben. Man kann alles machen. Man kann sogar auf dem Dach eine Sternwarte bauen. Es stellt sich nur eine wichtige Frage - wie hoch sind die Kosten?

Das Versetzen einer Tragwand ist in Wirklichkeit nicht mehr eine Generalrenovierung, sondern vielmehr der Bau des Gebäudes von neuem. Vor allem ist eine Beratung mit einem Konstrukteur notwendig, der feststellt, ob die Gebäudekonstruktion nach der Verlegung der Wand weiterhin stabil ist (es wäre nicht schlecht, stimmt's?). Der Konstrukteur führt eine Inventarisierung des Gebäudes durch und erstellt sein Gutachten, das jedoch (selbst wenn es positiv sein sollte) erst den ersten Schritt auf dem Weg zum Umbau darstellt. Anschließend muss man einen Architekten finden, der sich der mühseligen Aufgabe annimmt, die die Ausführung der Berechnungen darstellt, und auf Grundlage dieser ein Umbauprojekt erstellt, also eigentlich – ein neues Bauprojekt. Da so ein Umbau eigentlich einen Neubau darstellt, ist es notwendig, einen Bauleiter einzustellen, der für die Bauaufsicht verantwortlich sein wird.

Erst wenn wir diese zwei Dokumente haben, also das positive Gutachten und das Projekt, können wir die anderen, mit dem Umbau des Hauses verbundenen Formalitäten in Angriff nehmen. Und von diesen gibt es nicht wenige; vor allem muss das fertige Umbauprojekt im Landratsamt vorgelegt werden, um eine entsprechende Umbaugenehmigung zu erhalten. Dem Antrag müssen vier Kopien des Umbauprojekts angelegt werden sowie eine Bescheinigung über Zugehörigkeit des Autors zu der entsprechenden Berufskammer. Ein notwendiges Dokument ist ebenfalls die Erklärung darüber, dass wir über das Recht zur Verfügung über das Grundstück zu baulichen Zwecken verfügen.

 

Wie sich unschwer vermuten lässt, ist die Beschaffung all dieser Projekte, Genehmigungen und Formalitäten sehr zeitintensiv. Und das abgesehen von den Kosten, von denen wir aus Mitleid nicht sprechen wollen, die jedoch bei einem solchen Umbau anfallen. Wenn wir das alles in Betracht ziehen, sollten wir uns genau darüber Gedanken machen, ob die Wand uns wirklich so ein Dorn im Auge ist und ob es vielleicht nicht einfacher und billiger ist, die Immobilie zu verkaufen und eine andere zu kaufen, die eine Raumaufteilung hat, die unseren Wünschen entspricht.